Gebimmel am Pferdegeschirr – eine Phalera aus Buntmetall mit zwei Knochenklöppelchen

Image Gebimmel am Pferdegeschirr – eine Phalera aus Buntmetall mit zwei Knochenklöppelchen

2010 wurde im Rheinhafen St. Johann ein über 2100 Jahre altes aussergewöhnliches Fundensemble als Block geborgen. Unter den vielen herausragenden Stücken dieser Deponierung, die mitten in der latènezeitlichen Siedlung «Gasfabrik» angelegt worden war, gibt es Teile von Pferdegeschirr.

Bei einem Stück handelt es sich um eine Phalera, also eine Schmuckscheibe, die ursprünglich wohl am Kopfteil des Zaumzeugs befestigt war. Solche Scheiben, die oft aus Buntmetallblech gearbeitet sind und ursprünglich goldgelb geglänzt haben, dienten als Blickfang. Das vorliegende Stück ist gewölbt wie der Deckel einer Veloklingel und besitzt oben in der Mitte einen von innen mit einer Drahtschlaufe befestigten kleinen Ring. Am Rand des glockenartig gewölbten Blechs fanden sich zwei kleine Knochen. Sie könnten mit einem Faden am Ring befestigt gewesen sein und – wenn sie bewegt wurden – als kleine Klöppel auf den Klangkörper der Phalera geschlagen haben.
In keltischer Zeit legte die Oberschicht offensichtlich Wert darauf, nicht nur optisch, sondern auch akustisch aufzufallen; dazu gehörte das Gebimmel am Pferdegeschirr. Man muss sich dieses im Kontext mit Schnauben, Wiehern und dem Hufschlag der Rösser vorstellen. Wenn dazu Hunde bellen, ein Hahn kräht und ein Schmied mit einem Hammer ein Werkstück traktiert, gewinnt man einen lebendigen Eindruck der Geräuschkulisse in keltischer Zeit.
Phaleren dieser Art gibt es auch von anderen Fundorten gleicher Zeitstellung, aber das Stück aus Basel-Gasfabrik ist das erste, bei dem Klöppel beobachtet wurden. Die weitere Freilegung des Stücks wird zeigen, ob noch andere Funde, z.B. ein in der Nähe liegender Riemenhaken, dazu gehören und ob sich das Aussehen des Zaums rekonstruieren lässt.

Details

  • Objekt: Gewölbte Schmuckscheibe aus Buntmetallblech mit kleiner zentraler Öffnung und rückwärtig mit einem Draht befestigtem Ring sowie zwei kleinen Knochen (Pferdeschwanzwirbeln)
  • Datierung: Spätlatènezeit, ca. 150–80 v. Chr.
  • Fundort: Basel-Gasfabrik, Rheinhafen St. Johann
Detail der Phalera während der Ausgrabung Zoom

Detail der Phalera während der Ausgrabung

Oben auf dem gewölbten Klangkörper der Phalera ist einer der beiden Schwanzwirbel zu sehen, der als Klöppel gedient haben könnte; durch den engen Kontakt mit dem Buntmetall ist der Knochen grünlich verfärbt.

Rekonstruktionszeichnung eines Pferdegeschirrs mit möglichem Befestigungsort des Zierelements. Zoom

Rekonstruktionszeichnung eines Pferdegeschirrs mit möglichem Befestigungsort des Zierelements.

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