Friedhof am Totentanz

Warum graben wir?

An der Spitalstrasse werden neue Leitungen verlegt, die einen spätmittelalterlichen Friedhof queren, der zur Predigerkirche gehörte. Die Kirche war ursprünglich Teil des im 13. Jahrhundert von Dominikanern gegründeten Predigerklosters. Nach der Reformation blieb die Kirche zunächst ungenutzt, bis ab 1614 aus Frankreich emigrierte Protestanten (Hugenotten) hier ihre Gottesdienste abhielten. Seit 1874 gehört die Predigerkirche der christkatholischen Kirchgemeinde. Die Klostergebäude, die zeitweise eine Studienanstalt der Universität und ein Gefängnis beherbergten, wurden um 1865 für den Neubau des Bürgerspitals abgebrochen.

Der Friedhof im Bereich des heute als Totentanz bezeichneten Parks reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Benannt wurde der Totentanz nach einem um 1440 entstandenen, rund 60 Meter langen Wandgemälde, das einst entlang der Innenseite der Friedhofsmauer zu sehen war. Mit seinen Darstellungen erinnert der Basler Totentanz daran, dass jedermann ungeachtet seines Standes unerwartet vom Tod überrascht werden kann. Das Wandgemälde überlebte den reformatorischen Bildersturm und wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach übermalt.

Obwohl der Basler Totentanz als Sehenswürdigkeit galt, verwahrlosten Mauer und Bild im 18. Jahrhundert. Die Forderung der Anwohner, die Friedhofsanlage abzubrechen und einen Park anzulegen, gipfelte am Abend des 6. August 1805 in einer eigenmächtigen Abbruch- Aktion. Basler Kunstfreunde retteten beim Abbruch 23 Fragmente, von denen 19 heute im Historischen Museum ausgestellt sind.

Was erwarten wir?

Im Bereich des einstigen Friedhofs ist mit Skeletten zu rechnen, ausserhalb des Areals haben sich vermutlich Reste der mittelalterlichen Bebauung im Boden erhalten.

Bisherige Resultate der Ausgrabung:

Bisher wurden 85 Skelette freigelegt. Zudem wurde eine Grabplatte geborgen, auf der ein Wappen abgebildet ist.

Wie lange graben wir?

Die Ausgrabungen dauern voraussichtlich bis September 2018.

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Die Predigerkirche mit Klosterbauten, Kreuzgang und Totentanz-Friedhof. Merianplan von 1615.

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Das Basler Totentanz-Gemälde zeigt als Memento mori eine Reihe von streng hierarchisch vom Papst bis zum Bauer geordneten Personen im Tanz mit dem Tod. Aquarellzeichnung von Johann Rudolf Feyerabend von 1806 nach dem spätmittelalterlichen Wandbild des Predigerklosters, Historisches Museum Basel.

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Die neu entdeckte Grabplatte ist aus Sandstein und zeigt ein Wappen.