Ausgrabungen im Stadtcasino

Steinenberg 14, November 2016

Basel, 1300 n. Chr. - Kreuzgang des Barfüsserklosters
 

Warum graben wir?

Wegen der Erweiterung und dem Umbau des Stadtcasinos sind während den nächsten 12 Monaten umfangreiche Rettungsgrabungen erforderlich. Die Ausgrabungen haben am 18. Oktober im Musiksaal begonnen und werden dort bis 7 Meter unter das ehemalige Parkett reichen. Das Stadtcasino steht an einem stadtgeschichtlich äusserst interessanten Ort. Stadtentwicklung und Stadterweiterung können über mehrere Jahrhunderte beobachtet werden.


Was erwarten wir?

Heute liegen Barfüsserkirche und Barfüsserplatz im Zentrum von Grossbasel. Noch bis Mitte des 13. Jahrhunderts lag dieses Areal am Stadtrand. Es wurde jedoch intensiv genutzt:
Die Siedlung im 10. Jahrhundert ist bisher nur durch Keramik und Feuerstellen erfasst. Ende des 11. Jahrhunderts verlief hier die Burkhardsche Stadtmauer und eine erste Kirche wurde errichtet. Das Gelände des Stadtcasinos befand sich damals aber noch ausserhalb der Befestigung. Mit dem Bau der Inneren Stadtmauer zu Beginn des 13. Jahrhunderts fand eine erste Stadterweiterung statt, die das Areal neu in den Mauerring einschloss.
Um 1250 n. Chr. bauten die Franziskaner das erste Barfüsserkloster. Rund 50 Jahre später wurde dieses durch einen Neubau ersetzt, von dem heute noch die Barfüsserkirche steht. Kreuzgang und zugehörige Klostergebäude befanden sich an der Stelle des Stadtcasinos.
Mit der Reformation fand das Klosterleben 1528 sein Ende. Von da an dienten der Kreuzgang und die direkt anschliessenden Klostergebäude als Erweiterung des «Spitals an den Schwellen», das im oberen Teil der Freien Strasse neben der Barfüsserkirche lag. Im ehemaligen Kloster wurden «Irre, Fallsüchtige, Chronischkranke, Blödsinnige, Trunksüchtige und Vaganten» untergebracht.
Nach der Verlegung des Spitals an den heutigen Standort des Universitätsspitals wurden 1844 anstelle der ehemaligen Klostergebäude ein Kaufhaus und 1875 der Musiksaal des Stadtcasinos errichtet.


Wie lange graben wir?

Die Ausgrabungen dauern voraussichtlich bis Ende Oktober 2017. Leider gibt es aufgrund der Bauarbeiten keine Grabungsführungen mehr.

Resultate der Ausgrabung:

Basel, 1300 n. Chr. Barfüsserkloster

Bei der Ausgrabung wurden die Reste des südlichen und westlichen Flügels des Kreuzgangs und ein Teil des Kreuzgartens des Barfüsserklosters freigelegt.

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Die Ansicht vom Klosterhof aus zeigt den direkt an die Barfüsserkirche angebauten Kreuzgang mit den sorgfältig gearbeiteten Masswerkfenstern. Undatierte Lithographie von R. Rey, 19. Jhd.
Bild: StABS BILD 6, 1137.

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Ein Stück des freigelegten Bodens des Kreuzganges: Das Mörtelbett der Tonplatten hat sich gut erhalten, ebenso die verputzte Rückwand mit einer Fensteröffnung zum Keller. Am linken Bildrand ist ein Pfeilerfundament der Kolonnade des Kaufhauses von 1844 zu erkennen.

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Klosterkeller des 14. Jhs. mit schön gearbeiteten Konsolsteinen in der Mauer. Sie trugen die Balkenkonstruktion für den Boden des darüberliegenden Raumes.

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Blick auf die Fundamente von Kreuzgang und Klosterkeller.

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Die Konventsgebäude und der Kreuzhof dienten nach der Auflösung des Klosters 1529 der Stadt als «Almosen». Zum einen waren hier die «Irren» untergebracht, zum andern wurde hier Essen an die Armen verteilt. Das Bild wurde 1849, sechs Jahre nach dem Abbruch der Klostergebäude von Constantin Guise aquarelliert.
Bild: StABS BILD Wack. G 112.

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Während der Nutzung des Klosters als Almosen, wurde eine Latrine im Kreuzgarten angelegt. Der gemauerte Schacht war einst von einem schopfartigen Holzaufbau bedeckt.

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Gut sichtbar sind die Entlastungsbögen im Fundament des Kreuzgangs.
Unter dem Friedhof kam unter Schwemmschichten des Birsigs zudem eine ältere, runde Baustruktur zum Vorschein.

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Auch der Kalkofen ist älter als der Kreuzgang und könnte bereits für den Bau der Inneren Stadtmauer zwischen 1200 und 1250 n. Chr. gebraucht worden sein. In seinem Innern (auf dem Foto gut erkennbar am Steinkranz) haben sich die Reste von gebranntem Kalk erhalten.

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Der Friedhof im Kreuzgarten

Über 260 Skelette wurden im Kreuzgarten des Barfüsserklosters geborgen. Vom Säugling bis zur älteren Person sind alle Altersgruppen vertreten.
Ab 1528 gehörten Kreuzgang und Kreuzgarten zur neu gegründeten „Irrenanstalt“, dem sogenannten Almosen. Anatomische Eingriffe – sechs aufgebohrte Schädel, sogenannte Trepanationen, sowie ein aufgeschnittener Schädel – weisen darauf hin, dass die Bestattungen in die Zeit nach der Reformation datieren. Auch mehrere Trachtbestandteile weisen einige der Bestattungen ins 17. Jahrhundert. Eine Goldmünze ist ein weiteres Indiz für die eher junge Zeitstellung des Friedhofs.

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Über 260 Skelette wurden im Kreuzgarten des Barfüsserklosters geborgen.

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In mehreren, kleinen Massengräbern waren wohl Opfer von Epidemien (Pest?) bestattet.

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Die Skelette werden durch die Anthropologin dokumentiert und geborgen.

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Im Bereich des ehemaligen Kreuzgartens wurden die Skelette von mehreren erwachsenen Individuen gefunden, die ungeordnet neben- und übereinander lagen. Bei einem der Schädel lässt sich deutlich eine Trepanation erkennen.

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Basel, 1844 n. Chr. - Kaufhaus

Nach der Verlegung des Spitals an den heutigen Standort des Universitätsspitals wurde 1844 anstelle der ehemaligen Klostergebäude ein Kaufhaus errichtet. Dieses diente trotz des Namens nicht als Markt für die Bevölkerung, sondern als Platz, wo Waren umgeschlagen und verzollt wurden.

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Das Kaufhaus stand neben der Barfüsserkirche. Die drei grossen Tore, die auf dem Foto von 1856/60 zu erkennen sind, führen in den Innenhof.
Foto: StABS AL 45, 4-60-1. 1856/60.

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Der Innenhof des Kaufhauses bot möglichst viel Platz für die ankommenden und abfahrenden Pferdewagen. Rechts im Bild das Verwaltungsgebäude mit Pfeilerkolonnade, dessen Vorderfassade am Steinenberg lag.
Foto: StABS, AL 45, 2-90-2.

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Bereits einen halben Meter unter dem Konzertsaalboden wurden die ersten Befunde aufgedeckt: Die hofseitige Mauer des Verwaltungsgebäudes des Kaufhauses sowie die Punktfundamente der Pfeilerkolonnade.

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Blick in den Keller, der unter dem Verwaltungsgebäude des Kaufhauses lag.

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Bei den umfangreichen Rettungsgrabungen kam, über fünf Meter unter dem Parkett des Musiksaals, ein 600 kg schweres Taufbecken zum Vorschein. Es war in Zweitverwendung als Wassersammler im Kellerboden des Kaufhauses verbaut worden.

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Das sechzehneckige Sandsteinbecken besteht aus feinkörnigem Buntsandstein und hat einen Durchmesser von 97 cm. Möglicherweise handelt es sich um das Taufbecken aus der nachreformatorischen Zeit der Barfüsserkirche oder einer Kirche im Umfeld des Klosters.

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Hinweise:

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